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Das Konzept von Buen Vivir

(Kichwa: sumak kawsay)

 

 

Sumak kawsay hat die Bedeutung Gutes Leben oder genauer „Gutes Zusammenleben“, womit der

Kern des Buen Vivir – Konzeptes angesprochen ist. Buen Vivir verbindet sowohl Perspektiven

indigenen Wissens, als auch alternative westliche Strömungen. Nicht gemeint ist damit „ein besseres

Leben“, da das auf materiellen Wohlstand und somit auch auf Konkurrenz (besser als andere) abzielt.

 

Alberto Acosta, einer der Vordenker des buen vivir gibt diese Definition: „Eine Gesellschaft, in der

jeder und jede gleiche Chancen hat, in der das Individuelle und das Kollektive in Harmonie

miteinander und mit der Natur koexistieren und in der die ökonomische sich mit der ethischen

Rationalität und mit dem Gemeinsinn versöhnt. “

 

       Buen Vivir distanziert sich von der Vorstellung, Entwicklung und Fortschritt als

        einen linearen Prozess zu verstehen, in dem bestimmte historisch vorgezeichnete

        Schritte durchlaufen beziehungsweise «wiederholt» werden müssen und lehnt somit

        das westliche Entwicklungsmodell ab.

 

        Zweitens tritt das Buen Vivir für eine andere Beziehung zur Natur ein, die es als

          Rechtssubjekt anerkennt und sie in den Mittelpunkt (biozentrisch) des Weltbilds stellt.

       Drittens sind gute soziale Beziehungen wichtiger als reine Wirtschaftsbeziehungen,

         weshalb solidarische Formen der Ökonomie angestrebt werden.

 

        Viertens formuliert das Buen Vivir die Vorstellungen von Lebensqualität

          beziehungsweise Wohlstand neu und definiert beides nicht allein über den Besitz

          von materiellen Gütern oder über das Einkommensniveau. Daraus erklärt sich die

          große Bedeutung, die der Suche nach Glück und einem erfüllten geistigen Leben

          beigemessen wird.

 

        Deshalb kann, fünftens, das Buen Vivir nicht auf eine materialistische Haltung

          reduziert werden, weil es auch spirituelle Aspekte und Gefühle mit einbezieht.

 

         Die Geschichte des Begriffs des Guten Lebens (buen vivir) beginnt im Jahr 2000 in den

           Andenstaaten und ist damit sehr kurz. Aktuell kann zwischen drei Hauptströmungen

           unterschieden werden:

 

 

       Buen vivir als sozialistische, staatliche Politik, festgeschrieben in den Verfassungen

          und Regierungsprogrammen von Ecuador und Bolivien.

 

       Der Begriff des Guten Lebens spielt für die Indigenenbewegung eine wichtige Rolle

         bei der Mobilisierung ihrer Mitglieder und externer Unterstützer, beim Kampf für

         ihre Interessen auch gegenüber den nationalen Regierungen.  Für die Indigenen ist

         das Konzept eng verbunden mit ihrem Land und ihrer Kultur und somit eigentlich

         nicht übertragbar auf westliche Gesellschaften.

 

        Buen Vivir als globale Vision der Veränderung der Gesellschaft, vergleichbar mit

          Konzepten wie Degrowth oder Ubuntu, die überall im jeweiligen Kontext diskutiert

          und entsprechend den lokalen Bedingungen realisiert werden können. 

 

 

Die 2008 in Kraft getretene Verfassung von Ecuador verankert das „Regime des guten Lebens“ in

einem von neun Unterabschnitten. Sie schreibt „Rechte des guten Lebens“ fest, darunter Rechte auf

Wasser, Nahrung, Information, Kommunikation, Arbeit und Bildung. Es gelang damit auch (durch die

Prinzipien der Plurinationalität und Interkulturalität) die Vielfalt der Bevölkerung, der Kulturen, des

sozialen Lebens, der Religiosität und Spiritualität Ecuadors sichtbar zu machen,   Auch für die

Wirtschaftsordnung wurde das Konzept übernommen. Zur Messung des Buen Vivir sollen eigene

Indikatoren erstellt werden. Buen Vivir wird in der Verfassung von Ecuador über 20-mal angeführt.

 

Seit Februar 2010 steht CONAIE (die größte nationale Indigenenorganisation Ecuadors) in offener

Opposition zur Regierung – und begründet diesen Schritt in erster Linie mit dem Guten Leben,

dessen Prinzipien die Regierung Correa nicht entspräche. Die Indigenenbewegung wendet das Gute

Leben gegen die Regierung, die denselben Begriff für sich in Anspruch nimmt, und versucht so, die

Deutungshoheit wiederzugewinnen.   So ist vor allem die weitere Ausbeutung der Bodenschätze

(Erdöl) ein Konfliktfeld.

 

Für Acosta  umfasst das buen vivir folgende wichtige Aspekte, die global anzuwenden wären:

 

        Die Rechte der Natur – die Natur ist ein eigenes Rechtssubjekt – unabhängig vom

           Nutzen für die Menschen. Somit steht die Natur im Mittelpunkt (biozentrischer

           Ansatz) und nicht mehr der Mensch (antropozentischer Ansatz). Die Menschen sind

           Teil der Natur und damit selbst Natur.

 

        Plurinationaler, interkultureller Staat – eine inkludierende, harmonische

           Demokratie, die Diversität respektiert. Vielfalt, Partizipation und Inklusion sind die

           Basis einer neuen Gesellschaft.

 

         Der Mensch im Zentrum der Wirtschaft – Wirtschaft muss die Bedürfnisse aller

           Menschen befriedigen. Das Wachstumsmodell kann nicht unendlich weitergeführt

           werden. Der Extraktivismus schadet Umwelt und Menschen. Weshalb Umverteilung,

          Schutz der Gemeingüter und lokalen Wirtschaftskreisläufe, Gemeinwohlökonomie

          und andere Austauschbeziehungen notwendig werden.

 

 

Praktische Beispiele in D: Tag des guten Lebens in Castrop-Rauxel:

Projekte, die einen Beitrag zum „Guten Leben“ leisten. Was heißt gutes Leben? Ein Mehr an Konsum

und Wirtschaftsleistung oder geht es um ein harmonischeres Leben miteinander und der Natur?

Der Tag soll praktische Anregungen geben für ein Mehr an Nachhaltigkeit und Buen Vivir.

 

https://www.facebook.com/events/292754974231988

 

 

Literatur:

Alberto Acosta: Buen Vivir – vom Recht auf ein gutes Leben; oekom Verlag, München 2015

 

Eduardo Gudynas: BUEN VIVIR Das gute Leben jenseits von Entwicklung und Wachstum,

http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Analysen/Analyse_buenvivir.pdf

 

Heinrich Böll Stiftung: Buen Vivir Eine kurze Einführung in Lateinamerikas neue Konzepte zum guten

Leben und zu den Rechten der Natur https://www.boell.de/sites/default/files/Endf_Buen_Vivir.pdf

 

Überblick über alternative Konzepte: http://www.wachstumimwandel.at/wp-content/uploads/WiW-Dossier_Alternative_Wirtschafts_und_Gesellschaftskonzepte_de.pdf

 

 

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